Zeitungsberichte

 
Nidda18.06.2017
 

Über 150 Kabinenroller aus ganz Deutschland stauen sich beim Messerschmitt-Treffen in der Altstadt und auf dem Marktplatz

 
 

NIDDA - (ten). Der Messerschmitt-Club Deutschland hat zum Niddaer Stadtjubiläum ein Kabinenroller-Treffen in der Altstadt veranstaltet - mehr als 150 Messerschmitt Kabinenrollern und anderen Klein- und Kleinstwagen konnten am Wochenende von den Besuchern bestaunt werden. Von der Stadtmühle bis auf den Marktplatz verstopften die kaum kniehohen Fahrzeuge die Straßen. Unzählige Besucher genossen den skurrilen Kabinenrollerstau.

Bürgermeister Hans-Peter Seum und Erster Stadtrat Reimund Becker hatten die Teilnehmer des Treffens an der Mühltorbrücke mit dem traditionellen Näirer Froisteck aus Weck, Worscht und Woi empfangen. Immer wieder beuget sich Seum tief hinunter, um die "Menschen in Aspik", wie die Insassen der Kabinenroller unter der großen Plexiglashaube in den 50er Jahren verspottet wurden, persönlich zu begrüßen. Wer sogar noch einen Hund in dem Kleinstwagen untergebracht hatte, konnte sich der besonderen Zuwendung des Bürgermeisters sicher sein.

"Der kommt aus Bad Salzhausen", scherzte Seum angesichts des Braunschweiger Kennzeichens BS an einem Messerschmitt. Ein anderer Fahrer schien ebenfalls aus der Nachbarschaft angereist zu sein. "Wir sind Ortenberger", erklärte der Fahrer eines blitzblanken BMW 700 Luxus stolz. "Ganz aus der Nähe", freute sich Seum "Nee", antwortete der Fahrer, "Ortenberg in Baden."

Immer mehr Kleinstwagen und Kabinenroller fuhren in die Altstadtgasse. Teilweise stauten sie sich zweireihig auf der Brücke. Wolfgang Laaß, Mitorganisator des Treffens, schätzte allein die Zahl der Fahrzeuge zwischen Marktplatz und Mühltorbrücke auf mehr als 150. Dennoch genossen Teilnehmer und auch das Publikum den einzigartigen Stau.

"Hat es Ihnen in Ober-Schmitten gefallen?", wollte Seum vom Fahrer eines Kabinenrollers wissen. "Wir fühlen uns hier fast schon wie zu Hause", gab dieser begeistert zurück. Die Besucher freuten sich über den freundlichen Empfang. Aber auch Landschaft und Straßen sind für viele ein besonderes Erlebnis. Von der Ausfahrt zum Kloster Arnsburg zurückgekehrt, schwärmte der Vorsitzende Alfred Barth: "Das sind Straßen, die kennt man aus der Metropolregion Mannheim gar nicht." Seum nutzte die Gelegenheit, die Teilnehmer aufzufordern, Werbung für die Region zu machen.

Diese revanchierten sich bei den Bewohnern ihrerseits mit ungewohnten Ein- und Anblicken. Die Fahrzeuge boten einen Überblick über die Szene der Kleinstwagensammler. Bei den Messerschmitts, von denen insgesamt rund 40 000 Fahrzeuge hergestellt worden sind, konnten die unterschiedlichsten Erhaltungszustände von "besser als neu" bis "vom Leben gezeichnet" ausführlich betrachtet werden.

Viele Fahrzeuge erzählten allein schon durch ihr Aussehen Geschichten. Ein deutlich gebrauchter Karo trug auf der Fronthaube vier Farbschichten übereinander. Ein anderer hatte die Stationen einer Osteuropareise mit Umrissen der Länder auf die Flanke gemalt. Ein dritter trug deutlich matten Lack. Die Plexiglashaube war mehrfach geflickt. Der Besitzer Matthias Hirschmann erzählte, dass der Messerschmitt mit mehreren Löchern in der Haube beim Abriss einer Scheune am Ammersee wiedergefunden wurde. Dort hatte ihn sein Besitzer 1969 abgestellt, wie das Fahrtenbuch, dass sich noch im Cockpit fand, belegt. Faszinierend ist der außergewöhnlich gute Originalzustand des Innenraums. Details, die bei vielen Restaurierungen verschwunden sind, wie die im Kunststoff-Look lackierte Holzleiste, sind mit dem Hammerschlag-Lack erhalten.

"Was hat der liebe Ehemann seiner Frau gekauft?", fragte Hirschmann und hält stolz die Eskimo-Kühltasche von Bauknecht hoch. Die war zwar nicht Teil des Scheunenfundes, fügte sich aber stimmig in das 50er-Jahre Fahrzeug ein. Wie Hirschmann gaben alle Teilnehmer bereitwillig über Technik und Geschichte ihrer Autos Auskunft.

Auch John Anderson aus Bunbury in Australien, der extra für das Treffen nach Deutschland gekommen ist, zeigte gerne die Bilder seines Messerschmitt. Der Erstbesitzer habe das ungewöhnliche Auto 1959 gekauft, berichtete er. Als es 1968 einen Motorschaden bekam, habe es Andersons Vater gekauft. Er habe den Motor repariert und den Kabinenroller restauriert, "Seit damals ist er ein Teil der Familie", erklärte Anderson.

Diese innige Beziehung, die die Besitzer zu den Kleinstwagen pflegen, erklärt, warum sie es nicht mögen, wenn Fremde die Autos anfassen, ohne vorher zu fragen. Das kann die gute Laune der stolzen Messerschmitt-Besitzer schlagartig trüben, wie mehrere Schilder in den Fahrzeugen eindringlich warnen.

Doch diese oft auch unausgesprochene Grenze wurde vom Publikum auf dem Marktplatz ohne Widerspruch trotz des Gedränges beachtet. Während des Treffens, das von Live-Musik der Band Faltenrock begleitet wurde, schlängelten sie sich zwischen den Autos durch, bestaunten da ein Detail, machten ihre Begleiter dort auf eine Kuriosität aufmerksam. Selten hat man Menschen mit so viel Genuss mitten im Stau gesehen.